Kapitel:
Kapitel 4: Die Mittlere Elbe - vom Elbe/Elster Tieland bis nach Havelberg

Unterkapitel:
4.1. Durch das Elbe/Elster Tiefland bis in die Lutherstadt Wittenberg

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3. Ein Beitrag zu Luther, dem bedeutendsten Reformator Europas

1. Luthers reformatorische Leistungen

Luther hat die Menschen von ihrer alltäglichen Angst vor dem Fegefeuer befreit, er versicherte ihnen die Gnade Gottes. Die katholische Kirche verlor ihr geistliches Monopol im Abendland, sie hatte kein Wissensmonopol über Glaubensfragen und Kirche mehr und damit auch keine alleinige Autorität der geweihten Priester. Die Menschen waren erstmals dazu aufgefordert, in Glaubensfragen dem eigenen Gewissen zu folgen.

Luther hat die Bibel übersetzt, sodass jeder Christ, der lesen konnte sich nun eigenständig durch das Studium der Heiligen Schrift mit seinem Glauben auseinandersetzen konnte. Fortan konnte sich ein jeder selbst über seine Beziehung zu Gott klarwerden.  Luther ist zum Geburtshelfer der pluralistisch und liberalen Moderne geworden. Toleranz und Pluralismus wurden jedoch bestenfalls erst mit den Urenkeln Luthers erreicht. (Heinz Schilling-2012).

Der Verfall des kirchlichen Autoritätsanspruches und die folgende Stärkung der weltlichen Macht waren bedeutende Schritte auf dem Weg zur Trennung von Kirche und Staat sowie Meilensteine der Entwicklung westlicher Gewaltenteilung. Diese Konsequenzen waren aber zu seinen Lebzeiten Luthers außerhalb jeder Vorstellungskraft.

Luther schuf eine einheitliche Deutsche Sprache. Er beherrschte bildstarke Worte, die aktionsgeladenen Verben. Seine Werke erreichten einen Höhenflug der Auflagen und die Medienfabik der Chranachs produzierte 150 verschiedene Luherbilder. Gerade im Deutschen aber entfaltete sich seine wahre Sprachgewalt. Schätzungen zufolge durchwanderte Luther Deutschland als Mönch insgesamt 20 bis 30.000 Kilometer weit. Die Deutschen sprachen kräftig damals, und so kannte er für jedes Ding beliebig viele Synonyme, hatte für jedes Handwerk eine eigne, reichlich umfangreiche Berufssprache.

 

 

 

 

2. Die dänische Kirchenordnung Bugenhagens war von größter Bedeutung.

Christian III. setzte mit dem Rat und der Hilfe Bugenhagens die Reformation in Dänemark, Norwegen und Island durch. Der gesamte Ostseeraum blieb dauerhaft reformiert.

In allen großen Städten im Norden führte der aus Pommern stammende die neuen Kirchenordnungen ein, und zwar auf Mittelniederdeutsch. Er regelte darin die Kirchenverwaltung, deren Ämter, die Schulen, die Armenversorgung und den Ablauf der Gottesdienste. In Hamburg gründete er nebenbei die Gelehrtenschule des Johanneums.

Die Reformation spaltete das Abendland. Die konfessionellen Linien verlaufen heute noch etwa zwischen den nördlichen und südlichen Niederlanden, in größerem Maßstab gar zwischen Nord- und Südeuropa. Zur gleichen Zeit begannen die europäischen Mächte, die Welt neu zu ordnen. So setzte sich die Glaubensspaltung in vielen Kolonien fort, wie beispielsweise im katholischen Südamerika. Nordamerika wurde bald die größte protestantische Macht der Geschichte. Die autonome Selbstverwaltung der hier entstanden Kirchen schreibt man aber zurecht der staatsunabhängigen Selbstverwaltung der Presbyterianer und dem Calvinismus zu.

 

 

2. „Luther polterte, Erasmus philosphierte“ scheibt Elke Heidenreich

Viele Briefe gingen zwischen Luther und dem Humanisten Erasmus von Rotterdam hin und her. Erasmus schrieb immerhin „Luther, das lässt sich nicht leugnen, hatte die allerbeste Sache angefangen. Hätte er eine so wichtige Sache gemäßigter in Stimme und Sprache geführt….“ Erasmus aus dem katholischen Lager und Melanchton im Wittenberger Lager riefen Luther zu mehr „Verträglichkeit“ in seinem Auftreten auf.

Pluralität in Glaubensfragen konnte sich Luther wahrhaftig nicht vorstellen.

Luther bezog seinen Glauben aus der Bibel und er brach deshalb die Diskussion mit Erasmus ab. Im Gegensatz zu den Humanisten mühte sich Luther um Glaubensfragen, die für viele Menschen noch bedeutender waren als die grundlegendsten Herausforderungen ihrer irdischen Existenz.

Was Luther ebenfalls nicht interessierte war die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1451-1506) und das Weltbild des Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Es sind Entwicklungen, die nicht zur Lösung der Glaubensfragen weiterführten.

3.Neben der römischen Kirche hatten die Fugger den größten Einfluss im Flickenteppich des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“.

Jakob Fugger hieß nicht nur „der Reiche“, sondern wurde auch „der Königsmacher“ genannt. Die Wahl des Kaisers Karl V. wurde durch ihn finanziert. Auch der Pabst war sein Kunde und zwar unter der Bedingung, dass er immer pünktlich seine Raten bezahlte. Der Erzbischhof von Mainz, an den sich Luther einmal brieflich als „Mein bester Freund“ wandte, war Hauptbeauftragter für den Handel mit Ablassbriefen.

Die Zustände im „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ waren desolat, man würde heute sagen „versifft“. Jakob Fugger hieß nicht nur „der Reiche“, sondern wurde auch „der Königsmacher“ genannt. Die Wahl des Kaisers Karl V. wurde durch ihn finanziert. Auch der Pabst war Kunde Jakob Fuggers und zwar unter der Bedingung, dass er immer pünktlich seine Raten bezahlte.

Der Erzbischof von Mainz, Albrecht von Brandenburg, an den sich Luther einmal brieflich als „Mein bester Freund“ wandte, war Hauptbeauftragter für den Handel mit Ablassbriefen. Zum Erwerb zweier Erzbistümer stellte das Bankhaus dem Hohenzollern Albrecht von Brandenburg 48.000 Gulden zur Verfügung. Die gingen an den Pabst für die beiden Erzbistümer Magdeburg und Mainz.Um seine Schuld bei den Fuggern abzutragen, überließ Albrecht den Fuggern die ihm zustehende Hälfte aus dem von Papst Leo X. verkündeten neuen Ablass für den Bau des Petersdoms in Rom.

Das Verhalten des eingesetzten Ablasspredigers, des Dominikaners Johann Tetzel, gab Martin Luther den Anlass zu seinen 95 Thesen. 1520 schrieb Luther seinen Aufsatz „An den christlichen Adel deutscher Nation“ und griff darin auch Jakob Fugger persönlich an.

 

Über die deutsche Sprache sagte er: „Ich danke Gott, dass ich in deutscher Sprache meinen Gott so höre und find“, die er „weder in lateinischer, griechischer noch hebräischer Sprache bisher “ so tief empfunden habe.

Spätestens mit der Übersetzung der Bibel vom Lateinischen ins Deutsche, hat Luthers Sprachschatz einen Umfang angenommen, der später wohl selten wieder erreicht wurde. Seine als Mönch über viele Jahre hinweg erworbene lateinische Sprachkompetenz mag noch nachvollziehbar sein. Lateinisch blieb auch später die Sprache der Wahl bei internationaler Korrespondenz mit ausländischen Gelehrten. Gerade im Deutschen aber entfaltete sich seine wahre Sprachgewalt. Schätzungen zufolge durchwanderte Luther Deutschland als Mönch insgesamt 20 bis 30.000 Kilometer weit. Die Deutschen sprachen kräftig damals, und so kannte er für jedes Ding beliebig viele Synonyme, hatte für jedes Handwerk eine eigne, reichlich umfangreiche Berufssprache. Luther beherrscht die bildstarken Worte, die aktionsgeladenen Verben.

 

2.Luthers sprachgewaltige reformatorischen Schriften

Drei Werke sollen hier kurz erläutert werde: An den christlichen Adel deutscher Nation“, “ Von der Freiheit des Christenmenschen“ und „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“. Einige Texte sund angelehnt an Richard Friedenthal, Luther,, sein Leben und seine Zeit“. (1976)

Über die deutsche Sprache sagte er: „Ich danke Gott, dass ich in deutscher Sprache meinen Gott so höre und find“, die er „weder in lateinischer, griechischer noch hebräischer Sprache bisher “ so tief empfunden habe.

Spätestens mit der Übersetzung der Bibel vom Lateinischen ins Deutsche, hat Luthers Sprachschatz einen Umfang angenommen, der später wohl selten wieder erreicht wurde. Seine als Mönch über viele Jahre hinweg erworbene lateinische Sprachkompetenz mag noch nachvollziehbar sein. Lateinisch blieb auch später die Sprache der Wahl bei internationaler Korrespondenz mit ausländischen Gelehrten. Gerade im Deutschen aber entfaltete sich seine wahre Sprachgewalt.

Drei Werke sollen hier kurz erläutert werden: An den christlichen Adel deutscher Nation“, “ Von der Freiheit des Christenmenschen“ und „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“

An den christlichen Adel deutscher Nation

Luther riss mit seiner Schrift alle Mauern nieder, die der Papst zur Machterhaltung errichtet hatte. Zur ersten Mauer schrieb er:  Der „erfundene Unterschied zwischen weltlichem und geistlichem Stand – hier Papst, Priester, Klostervolk, dort Fürst, Herren, Handwerker und Ackersleute. Niemand soll sich durch solche Unterscheidung einschüchtern“ lassen, denn „alle Christen sind wahrhaftig geistlichen Standes und ist unter ihnen kein Unterschied sagt Paulus“.

Die zweite Mauer ist die Behauptung, dass nur der Papst im Glauben nicht irren könne, nur er dürfe die Schrift auslegen. In der Bibel stehe das nicht. Da stehe vielmehr: „Wir haben alle einen Geist des Glaubens.“ So sollen wir „mutig und frei werden.“ Der Papst, so meint er, „mag bleiben“, er will ihn nicht abschaffen. Er solle sich dem Gebet widmen, der geistlichen Fürsorge. Sein Hofstaat mit allem Prunk und Pomp, und mit dem „Frisch hindurch auch durch die dritte Mauer“, die das Papsttum aufgerichtet hat: Nur der Papst sei befugt, ein Konzil zu berufen. Auch dafür sei in der Bibel nichts zu finden. „Und wäre das nicht unnatürlich, so ein Feuer ausbräche und jeder sollte stille stehen und lassen für und für brennen, was da brennen mag, allein darum, dass sie nicht die Macht des Bürgermeisters hätten oder das Feuer vielleicht an des Bürgermeisters Haus anhöbe?“

Woher nehme das Papsttum denn überhaupt das Recht, in alle Lebensgebiete Deutschlands einzugreifen und Gehorsam auch in weltlichen Dingen zu fordern? Das Kirchenrecht war zu Luthers Zeiten auch im weltlichen Bereich die Grundlage aller wichtigen Entscheidungen. Abgeleitet wurde diese Legitimität aus der Konstantinischen Schenkung. Der Papst sollte den Anspruch aufgeben, „über alle anderen Kronen zu herrschen“, und das „Gewürm und Geschwürm“ der Geldeintreiber und Juristen benötige er nicht.

Luther beklagt, dass die Schenkungsurkunde eine Fälschung des 8. Jahrhunderts sei. Sie wurde „vom Papst Stefan dem Frankenkönig Pippin vorgelegt, der nicht lesen und schreiben konnte. Angezweifelt wurde sie nicht, nur angefochten von den Kaisern, die sich den immer höher gestellten Ansprüchen der Päpste nicht fügen wollten“ (Friedenthal, 1967).

„Viertausend Exemplare waren in wenigen Wochen vergriffen, eine Ziffer, die man sich mindestens verzehnfacht vorstellen muss, wenn man den Auflagenwert der damaligen Drucke in heutige Verlagswährung umrechnen will. Nachdrucke erschienen sogleich. Luthers engere Freunde wurden ängstlich; hatte man ihm doch geraten, die Broschüre besser zurückzuhalten“ (Friedenthal, 1967).

Von der Freiheit des Christenmenschen

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand Untertan“, schrieb Luther. Das wurde zur Parole. Prompt nahmen die Bauern im Südwesten Deutschlands Luther beim Wort und verstanden dessen Satz von der „Freiheit des Christenmenschen“ als Aufforderung, von ihren Grundherren mehr Rechte zu verlangen, etwa die Abschaffung der Leibeigenschaft. Der spätere religiöse Führer der Bauern war Thomas Münzer, ein Antipode Luthers, der diesen sehr verachtete.

Luther unterschied den geistlichen vom weltlichen Stand, das Seelenheil und die geistliche Welt waren seine Themen. Der weltliche Stand war für ihn von geringer Bedeutung, denn unmittelbar neben der Freiheit des Christenmenschen heißt es: „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann Untertan.“ Das wurde jedoch überhört. Luther zog sich zunächst völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Zu seinem Gesamtwerk ist dieser Text jedoch ein bedeutender Beitrag.

 

Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche

Luthers erstes Buch, erheblich umfangreicher als die oben beschriebene Broschüre, war für die gelehrte Welt, für Theologen bestimmt. Er nannte es „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“.

Die Bibel stellte auch hier das einzig gültige Maß der Dinge für ihn dar; was in der heiligen Schrift nicht explizit zu finden war, das betrachtete er als von Menschen gemachten Zusatz. In der Bibel selbst fand Luther allerdings nur ein einziges Sakrament, nämlich das Wort Gottes. Darüber hinaus anerkannte er drei sakramentale „Zeichen“: die Taufe, die Buße und das Abendmahl. Für biblisch nicht belegt und damit wertlos erachtete er hingegen die Firmung, die Ehe, die Priesterweihe und die letzte Ölung. Selbst an Taufe, Buße und Abendmahl störten Luther Veränderungen, die im Verlauf von über tausend Jahren durch kanonische Bestimmungen ihren ursprünglichen Sinn eingebüßt hätten. Wichtiger und wirksamer als die sakramentale Zeremonie sei aber der Glaube eines Menschen allein. Mit diesen Betrachtungen stellte Luther das gesamte Gebäude der christlichen Kirche infrage, das zu seiner Zeit völlig auf der Verwaltung der Sakramente durch die geweihten Priester ruhte. Seine Stellungnahmen gegen den Adel hätten ihm kirchliche Würdenträger wohl noch verziehen. Nicht so nun seine Unterminierung der Sakramente, seinen Frontalangriff auf die katholischen Grunddogmen.

Hiermit war sein Bruch mit der katholischen Kirche besiegelt.

 

3.Luthers Bibel

1.Luther auf der Wartburg als „Junker Jörg“.

Bevor Luther durch Friedrich dem Weisen auf die Wartburg verbracht wurde, ranken sich viele Geschichten um seine Exmatrikulation, die Verbrennung der entsprechenden Bulle des Papstes und sein Auftritt vor dem Reichstag in Worms.

Auf der Wartburg blieb Luther bis 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche.

Eine erste Auflage des Neuen Testamentes erschien im September 1522.  Luther machte damit die biblische Inhalte dem einfachen Volk zugänglich. Zwar gab es vorher schon 14 hochdeutsche und vier niederdeutsche gedruckte Bibelausgaben, jedoch waren diese Übersetzungen durch ihr „gestelztes“ Deutsch für das einfache Volk schwer verständlich. Metaphorische Redewendungen wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, „etwas ausposaunen“, „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“, „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“ gehen auf ihn zurück (Wikipedia). Erst durch Luthers Bibelübersetzung entwickelte sich dieser Dialekt zum gemeinsamen Hochdeutsch.

 

2. Luther fasste seine Bibelinterpretation in dem Grundsatz „Sola fide, sola gratia, sola scriptum“ zusammen

Allein der Glaube mache selig. Allein die Gnade Gottes entlaste den sündigen Menschen. Allein die Heilige Schrift sei für Gläubige verbindlich. Das aber bedeutete: Der Mensch könne sich den Weg ins Himmelreich nicht durch „gute Werke“ verdienen; der ganze Aufwand an frommen Stiftungen, Wallfahrten und dergleichen sei vergebens!

Luthers Auffassung, dass jeder Christ die Bibel selber lesen und verstehen und durch seinen Glauben sowie durch Gottes Gnade direkt ins Himmelreich gelangen könne, ohne dass er hierzu einen Vermittler brauche, machte in letzter Konsequenz die Kirche als Institution insgesamt obsolet.

3. Das Schriftprinzip war von noch umstürzender Wucht.

„In ganz Europa gab es im Jahr 1500 etwa 1.000 Druckereien. Eine halbe Million Nachdrucke von Luthers Schriften sollen 1521 bereits existiert haben. Die spätere Bibelübersetzung hatte 1523 eine Auflage von 5.000 Exemplaren erreicht, fünfzehn Jahre später umfasste sie schon 200.000. Die Reformation war die erste Auseinandersetzung in der Weltgeschichte, die von der  Publizistik entscheidend bestimmt wurde. Die neuen Druckerzeugnisse hingegen ließen sich in großer Zahl und relativ preisgünstig produzieren. Besonders religiöse Schriften erreichten hohe Auflagen. Allmählich entstand so etwas wie eine ’öffentliche Meinung’: In rasantem Tempo verbreiteten sich Ideen und Kritik nicht nur bei den großen Gelehrten, sondern auch unter den Bürgern“ (Friedenthal 1967). Buchdruck und Bibelübersetzung schufen zudem die Grundlage für eine einheitliche deutsche Sprache.

3.Luthers Bibel

1.Luther auf der Wartburg als „Junker Jörg“.

Bevor Luther durch Friedrich dem Weisen auf die Wartburg verbracht wurde, ranken sich viele Geschichten um seine Exmatrikulation, die Verbrennung der entsprechenden Bulle des Papstes und sein Auftritt vor dem Reichstag in Worms.

Auf der Wartburg blieb Luther bis 1522 inkognito als „Junker Jörg“. Auf Anraten Melanchthons übersetzte er im Herbst 1521 das Neue Testament in nur elf Wochen ins Deutsche. Eine erste Auflage des Neuen Testamentes erschien im September 1522

Über die deutsche Sprache sagte er: „Ich danke Gott, dass ich in deutscher Sprache meinen Gott so höre und find“, die er „weder in lateinischer, griechischer noch hebräischer Sprache bisher “ so tief empfunden habe.

Spätestens mit der Übersetzung der Bibel vom Lateinischen ins Deutsche, hat Luthers Sprachschatz einen Umfang angenommen, der später wohl selten wieder erreicht wurde. Seine als Mönch über viele Jahre hinweg erworbene lateinische Sprachkompetenz mag noch nachvollziehbar sein. Lateinisch blieb auch später die Sprache der Wahl bei internationaler Korrespondenz mit ausländischen Gelehrten. Gerade im Deutschen aber entfaltete sich seine wahre Sprachgewalt. Schätzungen zufolge durchwanderte Luther Deutschland als Mönch insgesamt 20 bis 30.000 Kilometer weit. Die Deutschen sprachen kräftig damals, und so kannte er für jedes Ding beliebig viele Synonyme, hatte für jedes Handwerk eine eigne, reichlich umfangreiche Berufssprache. Luther beherrscht die bildstarken Worte, die aktionsgeladenen Verben.

 

Luther fasste seine Bibelinterpretation in dem Grundsatz „Sola fide, sola gratia, sola scriptum“ zusammen

Allein der Glaube mache selig. Allein die Gnade Gottes entlaste den sündigen Menschen. Allein die Heilige Schrift sei für Gläubige verbindlich. Das aber bedeutete: Der Mensch könne sich den Weg ins Himmelreich nicht durch „gute Werke“ verdienen; der ganze Aufwand an frommen Stiftungen, Wallfahrten und dergleichen sei vergebens!

Luthers Auffassung, dass jeder Christ die Bibel selber lesen und verstehen und durch seinen Glauben sowie durch Gottes Gnade direkt ins Himmelreich gelangen könne, ohne dass er hierzu einen Vermittler brauche, machte in letzter Konsequenz die Kirche als Institution insgesamt obsolet.

Das Schriftprinzip war von noch umstürzender Wucht. Der Buchdruck, erreichte Werke Luthers einen Höhenflug der Auflagen

„In ganz Europa gab es im Jahr 1500 etwa 1.000 Druckereien. Eine halbe Million Nachdrucke von Luthers Schriften sollen 1521 bereits existiert haben. Die spätere Bibelübersetzung hatte 1523 eine Auflage von 5.000 Exemplaren erreicht, fünfzehn Jahre später umfasste sie schon 200.000. Die Reformation war die erste Auseinandersetzung in der Weltgeschichte, die von der Publizistik entscheidend bestimmt wurde. Die neuen Druckerzeugnisse hingegen ließen sich in großer Zahl und relativ preisgünstig produzieren. Besonders religiöse Schriften erreichten hohe Auflagen. Allmählich entstand so etwas wie eine ’öffentliche Meinung’: In rasantem Tempo verbreiteten sich Ideen und Kritik nicht nur bei den großen Gelehrten, sondern auch unter den Bürgern“ (Friedenthal 1967). Buchdruck und Bibelübersetzung schufen zudem die Grundlage für eine einheitliche deutsche Sprache.

Auch das Bild gewann für die medienwirksamen Umsetzung Luthers Gedanken eine immer bedeutendere Rolle.

So existieren allein 150 Bilder von Martin Luther aus der Werkstatt der Cranachs, sodass er schon während seiner Reise zum Mainzer Reichstag von Jedermann erkannt wurde. In der Werkstatt der Cranachs waren 30 Künstler tätig. Die „Hofmaler der Reformation“ waren professionell organisiert.

 

4. Luther und die Juden

„Ertragen können wir sie nicht“ – Martin Luther und die Juden – Wanderausstellung der Nordkirche von 2013

Das Verhältnis Martin Luthers zu Juden und Judentum ist sehr ein umfangreich untersuchtes Thema der Geschichtswissenschaft.  Ich habe versucht, eine Eigene Meinung zu Luthers heftigen Angriffen auf die Juden zu formulieren, aber die fertiden Seiten wurden immer wieder gelöscht.

Ich beschränke mich nun auf den Verweis der Wikipedia Seite Martin Luther und die Juden

https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Luther_und_die_Juden#Luthers_reformatorische_Grundposition

und auf die Aussagen des führen Lutherforscher und Geschichtswissenschaftlers Thomas Kaufmann in seinem Buch „Erlöste und Verdammte: Eine Geschichte der Reformation“ vom 31. Dezember 2017, das monatelang die Spiegel Bestsellerliste anführte

https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Kaufmann_(Kirchenhistoriker)

In Etwa:“ Luthers Vorstellungen von 1543, Juden seien mit dem Teufel und christenfeindlichen Mächten verbündet, um ihre „Wirtsvölker“ „auszusaugen“ und das Christentum mit magischen Praktiken zu unterminieren. Diese Ansicht war damals allgemein und in allen Gesellschaftsschichten verbreitet. Die Toratreue der Juden belüge und lästere den allein gnädigen Gott; darin liege ihre teuflische, für Christen gefährliche Werkgerechtigkeit. Nicht die Christen, nur Christus allein könne sie zu sich bekehren und erhalte sein Heilsangebot an sie aufrecht. – Aus diesem konstanten Glauben habe Luther gegensätzliche judenpolitische Konsequenzen gezogen: 1523 eine gewaltlose Mission, 1543 eine gewaltsame Verelendung der Juden.

Luthers Antijudaismus sei also untrennbar von seiner Rechtfertigungslehre.“

Irgendeine Rassentheorie war im Mittelalter unbekannt und auch die gut 500 Jahre Geschichte bis zum Beginn des Nationalsozialismus müssen erst einmal erklärt werden. Trotzdem legitimierten die Nazis die staatliche Judenverfolgung, besonders die Novemberpogrome 1938 mit Luthers Judentexten.